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Auf Grund der Vielzahl an kleinen und größeren Berichten über das Hausbootfahren allgemein und KUHNLE-TOURS im speziellen ist es uns natürlich nicht möglich, alle diese Berichte abzutippen und hier zu veröffentlichen. Die Veröffentlichung unten haben uns aber so gut gefallen, dass wir sie für Sie online gestellt haben. Wir beschränken uns immer auf maximal 20 Artikel, die wir für besonders interessant halten - egal ob sie gerade erst erschienen sind oder schon vor längerer Zeit. Für potentielle Elsass-Interessenten finden wir übrigens den Artikel von Hannah Glaser am spannendsten - nach dem Lesen werden Sie garantiert Lust auf dieses Revier bekommen!



Einen schönen Artikel über die Masuren finden Sie hier: "Bloß keine Eile" von Diether Rodatz, aus: Die Welt, 3. April 2010"


Kuhnle-Tours erweitert Angebot

Nordkurier/Müritz-Zeitung, 29.10.2008

 

Urlaub auf dem Hausboot: Welches Schiff für wen?

von Bernd-Wilfried Kießler, aus: Auto & Reise, 4/08

 

Kuhnle-Schiff auf den Namen "Riga" getauft

von Holger Bellgardt, Hanse Sail, 29.5.2008

 

Kuhnle-Schiff auf den Namen "Stettin" getauft

MVregio aktuell, 22.5.2007

 

Die Kormoran-Baureihe wurde eigens für Kuhnle-Tours entwickelt

Schiffahrt International Journal, April 2007, von Dietrich Hub

 

Bootsleute

boote 1/2007

 

25 Jahre KUHNLE-TOURS - Großes Fest im Hafendorf Müritz

Segler-Zeitung 11/2006

 

Von Kindern und Kormoranen

von Jenny May in der Welt Online, 18. Februar 2006

 

Zeit des Genießens - Vater-und-Sohn-Tour, oder: Das Erlebnis Hausboot
von Jürgen Rössler und Ralf Mittmann im Südkurier, 30. April 2005

 

Fahren ohne Führerschein
von Klaus Bartels in der Welt am Sonntag, 1. Mai 2005

 

Über Haff und Bodden
von Rolf Wunsch, in diversen Zeitungen April 2005

 

'Hanse Sail' - neues Flaggschiff der Kuhnle-Flotte
von Peer Schmidt-Walther, in diversen Zeitungen April 2005

 

Alles neu im Hafendorf - Kuhnle hat in der Marina Müritz eine der größten Charterflotten Europas
von Berliner Morgenpost, 24.4.2004

 

Basis für Sauerkrauttour
aus Fränkische Nachrichten, 19.9.2005

 

Im Revier von Aal und Hecht
von Sabine Komm, Bremer Nachrichten 14.6.2003

 

Hausboot-Törn mit vier Kindern: Kann das gut gehen?
Dorothea Heintze hat es ausprobiert und im Wochenend-Magazin der Rhein-Main-Presse darüber berichtet, 30.6.2001

 

Is' was, Käptn?
Artikel in ADAC-Reisemagazin 'Elsass' von Journalistin Hannah Glaser

 

 


Kuhnle-Tours erweitert Angebot

(Nordkurier/Müritz-Zeitung, 29.10.2008)

 

Rechlin (NK). Ist Kuhnle-Tours auf Abwegen? Es sieht fast danach aus, denn seit kurzem weht die kleine blaue Flagge (Stander) mit der Doppelwelle des Hausbootvercharterers auf einer Motoryacht. Obwohl zur Kuhnle-Unternehmensgruppe eine leistungsfähige Werft gehört, die die charakteristischen Stahlboote der Kormoran-Baureihe baut, band Firmenchef Harald Kuhnle auf der „Gruno 33“ von Joachim Bartz eigenhändig seinen Stander auf: Von der nächsten Saison an kann der klassische holländische Stahlverdränger nun bei Kuhnle-Tours gechartert werden.

Das Charterunternehmen reagiert damit auf den wachsenden Wettbewerb im Binnencharter. „Es ist nun mal so, dass eine gute Idee schnell Nachahmer findet“, sagt der Unternehmer, der als Pionier des Wassertourismus in den neuen Bundesländern gilt. Mangels eigner Werft kaufen viele kleinere Vercharterer ihre Boote in Holland. Und auch diese Boote seien bei den Kunden beliebt. „Deswegen muss man nicht die ganze Firmenidee in Frage zu stellen, aber eben das Angebot erweitern“, sagt Harald Kuhnle.

Für Eigner Joachim Bartz bedeutet der Kuhnle-Tours Stander auf der „Gruno“, dass er mit seinem Boot jetzt Geld verdient. Immerhin übernimmt der Branchenprimus die Vermarktung. Zusätzlich weiß er sein Boot in guten Händen und bekommt einen fairen Vertrag. Das sei längst nicht überall so, wie viele Eigner, die ihr Boot Charterunternehmen überlassen haben, leidvoll und kostenpflichtig lernen mussten.

 


Urlaub auf dem Hausboot: Welches Schiff für wen?

(von Bernd-Wilfried Kießler, aus: Auto & Reise, 4/08)

 

(...)

Mit Metallrumpf und Warmwasserheizung

Die derzeit hochwertigsten Charterboote auf europäischen Binnengewässern entstammen zweifellos der Mecklenburger Werft des Stuttgarter Unternehmens Kuhnle-Tours. Diese Schiffe vom Typ Kormoran haben im Gegensatz zu den meisten anderen Hausbooten einen Rumpf aus Stahl, wie er sonst nur in den Niederlanden gebräuchlich ist. Sie halten bei unfreiwilligen Berührungen von Grund und Ufer deutlich mehr aus als die üblichen Kunststoffkonstruktionen und sind aufgrund des höheren Gewichts so gut wie gar nicht windempfindlich - man fühlt sich zu Recht sicherer. Ein Bugstrahlruder macht die Schiffe wendig, eine Warmwasserheizung regelrecht wintertauglich. 

(...)

Die Warmwasser-Zentralheizug auf den neueren Kormoran-Booten aber ist ein echter Fortschritt und den oft zu schwach ausgelegten Luftheizungen auf anderen Booten meilenweit überlegen. Weil sie ihre Energie statt aus der Gasflasche aus dem Dieseltank beziehen, gibt es selbst auf zweiwöchigen Reisen in der kühleren Jahreszeit keinerlei Treibstoffknappheit. Die abgehärteten Briten kennen die Urlaubsform des Christmas Cruising auf dem Hausboot. MIt der Kormoran-Heizung ließe sich dergleichen auch auf dem Kontinent wagen.


KUHNLE-TOURS-Schiff auf den Namen RIGA getauft

(von Holger Bellgardt, Hanse Sail, 29.5.2008)

Schon traditionell ist am vergangenen Wochenende im Rahmen der 7. Müritz Sail ein Hausboot Kormoran 1280 der Firma KUHNLE-TOURS getauft worden. Taufpatin war die Welt- und Europameisterin im Langstreckenschwimmen, die Rostockerin Britta Kamrau. Die Lettin Krista Feldmane brachte auf der Violine ein Taufständchen. Neben leisen Tönen begrüßte der Schützenverein „Concordia 1848 e.V.“ aus Rostock mit Salutschüssen die RIGA.

Vier Boote der Primus-Kormoran-Klasse sind in den vergangenen Jahren auf Initiative der Veranstalter von Müritz Sail Waren und Hanse Sail Rostock auf die Namen MÜRITZ SAIL (Kormoran 1140, 2004), HANSE SAIL (Kormoran 1500, 2005) und BALTIC SAIL (Kormoran 1280, 2006) und STETTIN (Kormoran 1500, 2007) getauft worden und seitdem auf den Binnengewässern des Landes Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburgs unterwegs. Seit dem vergangenen Jahr sind Rostocker Partnerstädte Namensgeber. 2007 wurde die STETTIN durch die Szczecinerin Ilona Miziewicz getauft, in diesem Jahr schickte Britta Kamrau die RIGA auf „gute Fahrt“.Der stellvertretende Vorsitzende des Rates der Stadt Riga, Herr Almers Ludviks, war eigens dazu aus der lettischen Hauptstadt angereist. Weitere Ehrengäste waren Landrätin Bettina Paetsch, der Rostocker Oberbürgermeister Roland Methling und als Gastgeber Warens Bürgermeister Günter Rhein. Rostocks Parnerstadt Riga wird einen landestypischen Beitrag zur Hanse Sail Rostock vom 7.-10. August leisten und sich vorstellen. Lettland ist Partnerland der Veranstaltung.

Foto: Archiv Hanse Sail

Von links nach rechts: Der stellvertretende Vorsitzende des Rates der Stadt Riga, Herr Almers Ludviks, Britta Kamrau, Harald Kuhnle (KUHNLE-TOURS)


Foto: Tourismuszentrale Rostock & Warnemünde

Kuhnle-Schiff auf den Namen "Stettin" getauft
22.05.2007: Waren-Müritz/MVregio Aktuell

 

Im Rahmen der 6. Müritz Sail wurde am Wochenende ein Hausboot von Kuhnle-Tours im Warener Stadthafen auf den Namen "Stettin" getauft.
     
In deutscher und polnischer Sprache wünschte die Taufpatin des neuen Schiffes, Ilona Miziewiecz, der "Stettin" allzeit eine gute Fahrt.

 

Neben der Szczeciner Vizepräsidentin Elzbieta Masojc wohnten dem feierlichen Taufakt auch zahlreiche Persönlichkeiten aus Schwerin, Waren und der Hansestadt Rostock bei. Zu den Gästen zählten Jürgen Seidel als Mecklenburg-Vorpommerns Minister für Wirtschaft, Arbeit und Soziales, Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling sowie die Warener Landrätin Bettina Paetsch. Nunmehr schon "traditionell" zollte an ihrer Seite auch der Leiter des Hanse-Sail-Büros, Holger Bellgardt, dem Schiffseigner und dem frisch getauften Schiff seinen Respekt.

 

Die "Stettin" ist das vierte Schiff der beliebten Kormoran-Serie. In den vergangenen Jahren waren bereits Hausboote auf die Namen "Müritz Sail", "Hanse Sail" und "Baltic Sail" getauft worden. Die "Müritz Sail" gilt als die kleine Schwester der Hanse Sail. Das maritime Fest am größten deutschen Binnensee erfüllt die Zusammenarbeit nicht zuletzt durch diese Taufserie mit Leben, es bezieht auch internationale Hanse-Sail-Partner erfolgreich mit ein.

 

Foto:

Bei der Taufe der "Stettin" in Waren-Müritz (von links nach rechts): der Warener Bürgermeister Günter Rhein, Taufpatin Ilona Miziewiecz, die Szczeciner Vizepräsidentin Elzbieta Masojc, Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling, Harald Kuhnle (Geschäftsführer Kuhnle-Tours GmbH), Landrätin Bettina Paetsch und Jürgen Seidel (Minister für Wirtschaft, Arbeit und Soziales des Landes Mecklenburg-Vorpommern).
MVregio Rostock mv/hro


Schifffahrt International Journal, April 2007, von Dietrich Hub

'... Die Kormoran-Baureihe wurde eigens für Kuhnle-Tours entwickelt. 
Kennzeichnend für diese Stahlyacht ist der hohe Deckssalon mit großen 
Fensterflächen. Die Baureihe orientiert sich weniger am 
traditionellen Schiffsbau, sondern wurde eher nach dem Muster einer 
Ferienwohnung entwickelt. So bieten die Kormorane viel Wohnfläche, 
dazu separate Sanitärräume für jeden Schlafraum. Die Kormorane werden 
in mehreren Längen zwischen 9 und 15 Metern gebaut und verfügen über 
4 bis 12 Kojen. Auf dem Achterdeck - mit Blick voraus über den 
Decksalon - ist der Außensteuerstand angebracht. Sehr angenehm ist 
es, dass auch die kleineren Kormorane über zwei Fahrstände verfügen. 
Im Heck ist die Badeplattform integriert, die auch einen sehr 
bequemen Zugang zum Boot am Steg ermöglicht. Das Achterdeck wird von 
Landratten gerne als Terrasse bezeichnet, denn die Größe dieser 
Freifläche ist beeindrucken...'


Harald Kuhnle

Bootsleute aus boote 1/2007

Harald Kuhnle, Chef des Charterunternehmens Kuhnle-Tours, kümmert sich nicht nur um seinen eigenen Nachwuchs (Jule und Mats). Wie anlässlich der 25-Jahr-Feier im Jahr 2006 angekündigt, hat Kuhnle den „Kuhnle-Tours-Förderverein für junge Wassersportler“ gegründet. Bereits im November überreichte er drei Projekten für junge Wassersportler einen Scheck über jeweils 1000 Euro. Förderanträge sind zu richten an: Kuhnle-Tours-Förderverein für junge Wassersportler, Hafendorf Müritz, 17248 Rechlin. Auch Spenden sind willkommen: Konto 530 000 105, BLZ 150 501 00 (Müritz-Sparkasse).


25 Jahre Kuhnle-Tours
Großes Fest im Hafendorf Müritz, Segler-Zeitung 11/2006

Anfang September feierten Harald und Dagmar Kuhnle in ihrer Marina Müritz ihr 25-jähriges Firmenjubiläum. Mit einem Dreitages-Programm im großflächigen Hafengelände mit modernen Bootsstegen und herrlichen Ferienhäusern an der Müritz gelang dem gebürtigem Schwaben eine wirklich spannende Jubiläumsveranstaltung. Besonders interessant war natürlich auch, dass der Chef der Firmengruppe fast parallel zum Jubiläum seinen 50. Geburtstag feiern konnte.

Die Familie Kuhnle hat nach den Aufzeichnungen in der mehr als 50seitigen Jubiläumsbroschüre einiges „auf die Beine gestellt“, dabei immer an einem Strang gezogen und die Expansion in die sichere Region der kleinen Schritte gelegt.
Der ganze Werdegang des großen und weitverzweigten Unternehmens liest sich wie eine eigentlich längst vergessene Wachstumsschilderung aus den früheren 50-60er-Jahren des Wirtschaftswunders Deutschlands.
Vater Helmuth Kuhnle (82) und Sohn Harald (50) gründeten im Jahre 1981 in Stuttgart eine erst kleine Firma und 1984 die Kuhnle-Tours GmbH. Sohn Harald Kuhnle hatte nach seinem Studium zum Maschinenbau Dipl. Ingenieur schon früh in den 70iger-Jahren am Bodensee seine ganz große Leidenschaft zum Segeln und Motorbootfahren entdeckt. Eine Atlantiküberquerung und einige Überführungstörns vom Mittelmeer in die Karibik ließen den damals 24-jährigen Sportschipper dazu noch richtig Seebeine wachsen.
Bis in das Jahr 2002 blieb der Senior Helmuth Kuhnle Mitgesellschafter des Unternehmens und half dem Junior Harald auch später in Mecklenburg –Vorpommern als erfahrener Kommunalfachmann und Berater in vielen aktuellen Bau- und Planungsphasen.
Nach der schnellen und erfolgreichen Entwicklung des Chartergeschäftes in Frankreich, Holland, England und Irland sahen die Kuhnles nach der Wiedervereinigung große Möglichkeiten an Brandenburgischen und Mecklenburger Gewässern. Hausbootferien bei Kuhnle zu erleben das wurde nicht nach der ersten Präsentation eines Hausbootes auf einer Ausstellung in Stuttgart und auf der „boot-Düsseldorf“ zum Geheimtipp.
Kuhnle Sails und Kuhnle Tours in Stuttgart wurden schon 1991 zum westlichen Stützpunkt und nach der Erteilung des Gewerbescheines für die Mecklenburger Müritz kam es zum Ausbau der räumlich sehr großen Anlage in der Gemeinde Rechlin auf dem Gelände der früheren Schiffswerft Rechlin. Hier hat der junge Unternehmer Kuhnle wirklich mit sehr viel Optimismus aus einer reichlich überholungsreifen Hallenlandschaft eine sehenswerte Wohnanlage mit vorbildlicher Marina geschaffen. Schon 1995 wurde mit dem Hausbootbau dort begonnen. Die Mecklenburger nennen die praktischen Hausboote in mehreren Größen von Typ Kormoran, von denen in der Zwischenzeit über 150 Exemplare gebaut wurden schlichtweg „Bügeleisen“. Die Stahlschiffe aber werden in Rechlin in der eigenen Werft ausgebaut und motorisiert. Sie sind familienfreundlich gestaltet, leicht steuerbar und ohne Sportbootführerschein zum Feriengebrauch zugelassen.
Wie es die Kuhnle-Unternehmensgruppe fertig gebracht hat, den ehemaligen hohen Turm der früheren Luftwaffen-Erprobungsstelle als jetzt modernen Wohnturm mit Restaurants und Aussichtsplattform im 7. und 8. Stock zum jetzt schönen Aussichtsturm umzubauen ist wohl nur schwäbischem Talent anzurechnen. Die Firmen Rundtörn Marinas, Kuhnle Werft, City Marina Stralsund, Marina Müritz, die Ableger Freizeitsteg Ferienpark Mirow, die Anleger Zeuthen und Ludorf und Parchim, die Marina Niderviller in Elsass-Lothringen, dazu noch die im Eigenverlag erscheinende Quick-Maritim-Buchreihe für Reisevorschläge und –Hilfen u.v.a. geben nur einen kleinen Überblick über alle eigenen Tätigkeitsbereiche.
Die immer noch in Stuttgart ansässige Firma Kuhnle Sails vermittelt Segel-Charterreisen in allen Teilen der segelbaren Welt und koordiniert die Kundenwünsche als wesentlicher Arm. Eines jedoch fällt besonders auf und das ist wohl ein wichtiges Stück der ganzen Kuhnle-Konzeption: Alle Mitarbeiter sind fachversiert, freundlich und hilfsbereit. Das zeigte sich aktuell in der Situation zum Hafenbetrieb mit großer Kundenfrequenz an den Jubiläumsfeiertagen mit zusätzlich noch weit über einhundert erwartungsvoll angereisten Jubiläumsgästen.
Mitbringsel und Geschenke zum 25-jährigen Geschäftsjubiläum sollte es nach dem Willen von Harald Kuhnle nicht geben. Vielmehr bat er dafür seine geladenen Festgäste um eine Spende für sein Lieblingsprojekt, nämlich „Förderung des Jugendsegelns“ in seiner Region. Begonnen hat Kuhnle Ende April mit der Vergabe von Fördergeldern an Vereine in Waren-Müritz und Rheinsberg.


Von Kindern und Kormoranen. Von Jenny May, Welt Online, 18. Februar 2006

 

25 Jahre Kuhnle-Tours - eine schwäbische Erfolgsstory, die das Hausboot in Fahrt gebracht hat

 

Wo immer Bootssportler aufs Wasser gehen, treffen sie einen, ohne den die Szene nicht das wäre, was sie heute ist: Auf Harald Kuhnle - oder eines seiner 134 Hausboote. Legendär auch: 18 000 Gäste jährlich bewirtet der Maschinenbau-Student von einst, der es in nur einem Viertel Jahrhundert zu einem der größten Hausboot-Werft- und Flottenchefs Europas brachte. Der Schwabe ist nicht nur größter Hausbootvermieter in Deutschland, sondern auch einer der unkonventionellsten. Das heißt: Der Firmenchef ist erfolgreich, weil er weiß, was er will und im richtigen Augenblick mit den richtigen Tips und Produkten die Marktlücken schließt. Und zwar seit 25 Jahren.

Heuer wird Jubiläum gefeiert. Und auch das so gar nicht geizig, sondern typisch schwäbisch schlitzohrig, also erfolgreich. Breitenwirksames Sponsoring gehört dazu, breit gestreute Appartement-Offerten für Fußball-Fans etwa, die bei der Weltmeisterschaft nahe der Stadien auf den Hausbooten logieren. Außerdem hat der Chef eine deutliche Erweiterung der Firmen-Aktivitäten angekündigt: Und auch um die Jugend kümmert sich Harald, irgendwie immer noch ein großer Bube, mit einer originellen Idee. Initiatoren aller möglicher Projekte für den maritimen Nachwuchs gibt er die Chance, mit 1000 Euro gefördert zu werden. Ein ein- bis zweiseitiger Brief mit Projektbeschreibung ist ausreichend. Bitte senden an: Harald Kuhnle, Kuhnle-Tours, Hafendorf Müritz, 17248 Rechlin. Der Chef selbst entscheidet, schnell und unbürokratisch, so hat er es versprochen. Je 1000 Euro gibt es pro genehmigtem Happening, die Aktion läuft das ganze Jubeljahr über.

Deutsch-französische Projekte werden sicher im neuesten Sportboothafen in der Familie der Rundtörn-Marinas im französischen Niderviller am Rhein-Marne-Kanal bestens aufgehoben sein. Da es ansonsten in dieser Gegend nicht viele Möglichkeiten dieser Art gibt, schließt der Selfmade-Wassersportler quasi nebenher schon wieder eine einnahmeträchtige Marktlücke. Kuhnle-Häfen glänzen durch Service. Jeweils vier Sterne strahlen über der Marina Müritz (Rechlin) und der City-Marina Stralsund. Zum Jubel-Jahr gibt's die Broschüre. Sie faßt die schönsten Ereignisse aus dem vergangenen Vierteljahrhundert der Dynastie des Harald K. zusammen.

Zur Saison 2006 gibt Kuhnle-Tours für die Mieter seiner Schiffe Elbe und die Oder frei. So können Skipper mit Bootsführerschein beispielsweise von der Müritz nach Stralsund fahren. Ab Frühjahr kann man auf den Boddengewässern bei einem Hausboots-Törn den Sportküstenschifferschein erlangen. Und im Hafendorf Müritz soll neben der Erweiterung der Steganlage um etwa 50 Liegeplätze (die Full-Service-Marina verfügt bereits über 350 Liegeplätze) auch eine Tauch-, Segel- und eine Surfschule eröffnet werden. In der Citymarina Stralsund entstehen neun Stege mit 300 Liegeplätzen. Begonnen wird zusätzlich mit den Bauarbeiten für das Marinaprojekt "Wassersportzentrum Schwedenschanze" (Stralsund). Geplant sind dort u. a. Werfthalle, Steganlage mit 400 Liegeplätzen, Bootstankstelle und 20 Ferienwohnungen sowie Gastronomie. Ferner wird die hauseigene Werft ein Hausboot in hybrider Leichtbautechnik entwickeln, mit dem man auf den Altwassern des Rheins fahren kann. Zuguterletzt: wer 2006 bucht, bekommt 25 Prozent mehr Seemeilen gutgeschrieben, die später in Bootsferien umgemünzt werden können.

Am 22. und 23. April wird das alles bei einer Party in Rechlin gefeiert: 250 Luftballons starten zum Weitflugwettbewerb an der Müritz. Wer gewinnt, darf sich über einen Hausbooturlaub freuen. Bootsferienkatalog und die Festschrift 25 Jahre Kuhnle-Tours gibt es kostenlos: Tel.:(07 11)- 16 48 20.


B I L D: Rössler (von links: Vater Ralf Mittmann, Joscha Mittmann, Pascal Mittmann, Till Rössler, Vater Jürgen Rössler)

Vater-und-Sohn-Tour oder: Das Erlebnis Hausboot
Zeit des Geniessens, Südkurier, 30.4.2005


Was macht der Vater mit dem Sohne…wenn der weibliche Teil der Familie gerne mal seine Ruhe hätte? Was macht der Vater mit dem Sohne…wenn die freien Tage einen Kurzurlaub hergeben, mehr aber nicht? Was macht der Vater mit dem Sohne- …wenn nahezu alle denkbaren Kurztrips irgendwann schon einmal absolviert worden sind? Es gibt eine Antwort: Die Herren der Schöpfung gehen nicht ins, sie gehen aufs Wasser. Das Zauberwort heißt Hausboot und verheißt: ein freies Leben, die Ungewissheit des Abenteuers, die Aussicht auf jede Menge Spaß.


Wir suchen uns Corre aus. In dem kleinen Dorf westlich von Belfort ist die Bootsbasis von Kuhnle-Tours unser Ziel. Bei Corre mündet der Canal de L'Est in die Saône, die sich bald immer breiter werdend durch die Franche Comté Richtung Mittelmeer schlängelt.
Wir sind fünf, Vater Jürgen mit Sohn Till und Vater Ralf mit seinen Söhnen Joscha und Pascal, und wir haben nur vier Tage - genau genommen von Freitagnachmittag bis Montagmorgen eigentlich nur zweieinhalb, aber das kümmert uns kein bisschen, als wir vom Hafenmeister zu unserem Boot geführt werden. Es heißt “Hecht“ und ist mit elf Metern Länge und reichlich Komfort (z.B. Duschen, Kühlschrank, Herd, Wohnzimmer) an Bord ein toller Hecht. Zwei Kabinen, drei Mann vorne, zwei hinten, Gepäck rein und nix wie ab.

Beim Fluch der Saône, die Stimmung ist prächtig. Vater Jürgen ist der erste Steuermann, und wenn er auch nur annähernd so aussieht wie Johnny Depp und die Hecht kein Segelschiff ist, irgendwie fühlen sich trotzdem alle so frei wie die Crew auf der Black Pearl von Karibik- Käpt'n Jack Sparrow, auf der man vor allem wusste, dass Frauen an Bord Unglück bringen. Wenn die Väter mit den Söhnen…das kann uns nicht passieren.

Bald wird es spannend, die erste Schleuse kommt in Sicht. An einer über den Fluss gespannten Leine hängt ein Stab herunter, den es im Vorbeifahren zu drehen gilt. So wird das Boot angemeldet, der Rest wird automatisch geregelt und mit Ampeln gesteuert. Schon kriegen wir grünes Licht, das Schleusentor öffnet sich, wir können einfahren, was mit Hilfe des Bugstrahlruders nicht das geringste Problem ist. Taue kommen um die Poller an der Schleusenmauer, um das Boot beim Absenken unter Kontrolle halten zu können. Ein Zug am Schalter in der Schleusenkammer sorgt dafür, dass Phase zwei beginnt, das Ablassen des Wassers. Langsam senkt sich das Boot, etwa zwei Meter tiefer öffnet sich das untere Tor und wir verlassen die Schleusenkammer. “Cool, geil, edel“ - die Kommentare unserer Jungspunde hallen uns in den Ohren, als wir auf dem Fluss weitertuckern. Nun heißt es: genießen. Wir gleiten gemächlich dahin, von der Sonne verwöhnt. Man hat viel Zeit füreinander, und die Gameboy- und Playstationerfahrenen Buben nehmen das Angebot des Plauderns tatsächlich an. Fünf Mann, eine Idee. Fünf Mann, eine verschworene Gemeinschaft. Fünf Mann, ein tolles Gefühl: die erträgliche Leichtigkeit des Seins. Und so wird auch das bisschen Arbeit beim “Schleusen“ zum eingespielten Teamwork von jung und alt.
Wir legen in der Nähe des Örtchens Cendrecourt an, in der Hoffnung, dort am Samtagmorgen frische Croissants zum Frühstück zu bekommen. Nebel hängt über der Saône, als wir gegen neun in den Ort gehen. Entweder schwächelt unser Französisch, oder aber der alte Mann hat sein Hörgerät vergessen. Auf die Frage nach einem Bäcker schickt er uns “rechts, links und wieder rechts“, was uns direkt zu Bahngleisen führt, die sich zwei Linealstrichen gleich durchs freie Feld ziehen. Kein Bäcker, kein Tante Emma-Laden, keine Croissants. Flussabwärts in Baulay werden wir fündig und genießen bei strahlendem Sonnenschein ein spätes Frühstück an Deck.

Dann geht es weiter nach Port-sur-Saône, wo wir am malerischen Kai anlegen. Die Väter goutieren Kultur, die alte Brücke, die Kirche aus dem 18. Jahrhundert, die Söhne sind elektrisiert von einer Oldtimer-Rallye. Bald aber heißt es wieder “Leinen los“, denn immer ruft der Fluss. Ein Extra-Spaß für die drei Jungs ist es, das Boot selbst steuern zu dürfen. Schleusen werden zur Routine (schade nur, dass es keine Schleusenwärter und damit auch keinen obligatorischen Pastis mehr gibt; Anm. Der Väter), dann wartet ein wahres Abenteuer: Der Tunnel von St. Albin, 1882 fertig gestellt, 681 Meter lang! Die unterirdische Passage durchfahren gilt es noch eine letzte Schleuse zu bewältigen, um danach das Ziel Traves anzusteuern. Es ist zwanzig nach sieben - und die Schleuse nicht mehr in Betrieb, um 19 Uhr war finito. Da stehen wir nun im Niemandsland und fühlen uns von einem neugierigen Esel, der dem leider nicht anwesenden Besitzer des schmucken Schleusenwärterhäuschens gehört, ausgelacht. Zum Glück nähert sich bald ein alter R4 und in ihm der Herr des Häuschens. Was automatisch nicht mehr geht, funktioniert manuell: Freundlich lässt uns Monsieur die Schleuse passieren, eine Stunde später sind wir in der Marina von Traves.

Es soll ein Lokal geben im Dorf. “Hinter der Kirche“, hatte der Hafenchef gesagt, und tatsächlich leuchten da Lichter. Oder sind es Sterne? Das kleine Restaurant, auf das wir hofften, entpuppt sich als liebevoll eingerichtete Gourmet-Stube mit dem Namen “Oranger“. Für fünf Euro pro Teller erhalten die Söhne Nudeln satt, für 30 Euro geben sich die Väter einem Viergangmenü hin, das so köstlich ist, dass die Zusatzkosten für einen edlen Tropfen Wein als vernachlässigenswert empfunden werden.
Am Sonntagmorgen klappt's dann auch mit den Croissants und gut gestärkt geht es auf den Rückweg, denn Montagfrüh ist alles vorbei. Größter Beliebtheit erfreut sich die Freiluftdusche am Heck des Bootes. Im kleinen Hafen von Fouchecourt wird nochmals ein Halt eingelegt - und gekickt. Groß gegen klein, oder alt gegen jung, oder Overath und Netzer gegen Van Nistelrooy, Beckham und Ronaldo (das Ergebnis wird nur auf ausdrückliche Forderung der Sieger genannt: Söhne zehn, Väter neun). Nach einem Imbiss fahren wir noch bis vor die Schleuse bei Ormay, dann ist Nacht und bald ist Montag. Die letzten zwei Schleusen, der Hafen von Corre. Anlegen, Boot säubern, Benzin zahlen, das war's. Wir steigen um in das Fortbewegungsmittel Auto, das uns ein wenig seltsam vorkommt. Nach einer Phase des Schweigens legen die Jungs los. “Mann, war das toll, die Schleusen, der Tunnel, die Otter, der Esel, die Dusche im Heck, das große Steuerrad auf dem Deck.“ Die Jungs beenden ihre Schwärmerei mit der ultimativen Frage: “Wann gehen wir wieder aufs Hausboot“? Ein Lächeln huscht durch die Gesichter der Väter, ihre Antwort hat vier Buchstaben: Bald.


Jürgen Rössler/Ralf Mittmann

Die beschriebene Reise wurde mit einer Kormoran von Kuhnle- Tours (www.kuhnle-tours.de) durchgeführt. Das Stuttgarter Unternehmen bietet Hausboot-Touren in Deutschland, Holland und Frankreichan. Neueste Basis ist Niderviller am Rhein- Marne-Kanal in Elsaß- Lothringen. Buchbar sind Wochen, Wochenende (Fr-Mo), Mini-Woche (Mo-Fr).  www.suedkurier.de


Fahren ohne Führerschein
Für das Steuern eines Hausboots genügt oft eine Charterbescheinigung. Start der Serie "So werde ich mein eigener Kapitän"

 

Hebel nach vorn ist vorwärts, Hebel nach hinten rückwärts." Die erste Lektion, die Konrad Apel seinem Schüler erteilt, klingt noch kinderleicht. Der Einweiser vom Vercharterer Kuhnle-Tours wirft die Leinen des 11,40 Meter langen und 3,90 Meter breiten Hausboots in der engen Marina Claassee an der Müritz los. Am Ruder steht der 58jährige Hamburger Jürgen Beier. In einer Stunde will der blutige Anfänger, der noch nie in seinem Leben ein Boot bewegt hat, die sogenannte Charterbescheinigung erwerben. Mit ihr könnte er dann auch ohne amtlichen Sportbootführerschein und fachlichen Beistand über den See schippern.
Aber schon Lektion zwei ist nicht mehr ganz so selbstverständlich. Als das Boot trotz kräftigen Lenkens nur zögerlich den Kurs ändert und weiter auf die gegenüberliegende Brücke zuhält, sucht Beier nach der Bremse. Die aber gibt es nur in Autos, nicht in Booten. "Einfach nur den Hebel nach hinten stellen und damit den Rückwärtsgang einlegen, das ist hier unsere Bremse", bemerkt Konrad Apel trocken, als er bei seinem Schüler Anzeichen von Hektik beobachtet. Dann demonstriert der Lehrer noch schnell die Wirkungsweise der beiden Knöpfe vor dem Ruderrad, mit denen das Bugstrahlruder bedient wird. Das sorgt dafür, daß mit dem großen Boot auch enge Kurven gefahren werden können.

Beier gewinnt allmählich Sicherheit. Ganz unvorbereitet war er ohnehin nicht in die Fahrstunde gegangen. Apel, der schon Hunderte von Autofahrern zu Kapitänen auf Zeit gemacht hat, hatte ihn vorher zwei Stunden lang theoretisch in der Kunst des Hausbootfahrens unterwiesen. Es war ein Schnelldurchlauf, der alle wichtigen Themen streifte, von der Verantwortlichkeit eines Bootsführers über die allgemeinen Verkehrsregeln auf dem Wasser und die Navigation bis hin zu Umweltschutz und Bootstechnik - für einen Laien geballter Lernstoff. Beier war froh, daß er vorher das Buch "Charterfibel, Hausbootwissen für Einsteiger" (Quick Maritim Medien) durchgearbeitet hatte. "Ansonsten wären wohl viele Dinge böhmische Dörfer geblieben."

Seit dem Jahr 2000 gibt es für Anfänger wie Beier die Möglichkeit, Hausboote ohne Führerschein zu steuern. Was als Modellversuch auf der Mecklenburgischen Seenplatte startete, wurde mit der Zeit auf andere Reviere ausgedehnt und 2004 gesetzlich verankert. Unfälle hat es seitdem nur wenige gegeben. Auch unter Fehlbedienung hatten die robusten Hausboote nur selten zu leiden. "Bei uns haben im vergangenen Jahr 800 Crews mit Charterschein Boote gemietet. Nur 15 davon verursachten Schäden, wobei dazu auch verlorengegangene Fender gehören", sagt Eva Mühleck von Kuhnle-Tours.

Allerdings werden auch genügend Vorkehrungen getroffen, damit die unerfahrenen Kapitäne nicht über die Stränge schlagen. Die Einweisung zielt auf ein besonders vorsichtiges Verhalten ab, und die Höchstgeschwindigkeit der Boote ist auf zwölf Stundenkilometer gedrosselt. Rote Rettungswesten signalisieren auch nach außen, daß man es hier mit einer bloß angelernten Crew zu tun hat. Darüber hinaus muß die Besatzung telefonisch Bescheid geben, wenn sie ihren Zielhafen erreicht hat. Bei Fluß- und Kanalfahrten, die vom Claassee bis nach Berlin möglich sind, gelten diese beiden verschärften Vorsichtsmaßnahmen übrigens nicht.

Die Charterbescheinigung hat der Branche kräftige Zuwachsraten beschert. Jürgen Tracht, Geschäftsführer des Bundesverbands Wassersportwirtschaft, spricht von 30 Prozent mehr Charterverträgen. Mittlerweile bieten zehn Firmen in Deutschland die Möglichkeit an, ohne Sportbootführerschein zu Törns zu starten. Ab und zu erleben die Vercharterer allerdings, daß ein frischgebackener Skipper schon nach ein paar Stunden wieder im Heimathafen festmacht. "Es sind nur wenige, aber für die ist sogar Hausboot fahren zu stressig", so Konrad Apel.

Der Einweiser ist mit seinem Schüler inzwischen bei der Lektion Ab- und Anlegen angelangt. Beiers Fortschritte sind so erfreulich, daß Apel ihn noch in die Geheimnisse des Eindampfens in eine Spring einführt. Das ist ein Ablegemanöver, bei dem sich das Heck mit Hilfe eines Festmachers und des Schraubeneffekts auch bei Seitenwind vom Anleger entfernt. Auf diese Weise muß kein Mitfahrer beim Versuch, das tonnenschwere Boot vom Kai wegzuschieben, ein Risiko eingehen. "Niemals Füße oder Hände zwischen Boot und Steg", warnt Apel.

Nach einer Stunde hat es Jürgen Beier geschafft. Mit der Charterbescheinigung, die er in den Händen hält, könnte er jetzt die Müritz unsicher machen. Aber Angst und Schrecken wird dieser Crash-Kurs-Kapitän nicht verbreiten, da hat sein Lehrer wenig Sorge.

- In der nächsten Woche lesen Sie alles über Bootsführerscheine, Teil drei gibt Einsteigern Tips zum ersten Bootskauf. Klaus Bartels

1. Mai 2005, Welt am Sonntag, www.wams.de


Über Haff und Bodden
Beobachtungen auf der Jungfernfahrt von Waren (Müritz) nach Stralsund mit dem größten Hausboot des Vercharterers Kuhnle-Tours

„Kannst du die ‚Landtief 11' ausmachen?“ fragt Hans-Joachim Kolm. Der Brandenburger Ex-Wasserschutzpolizist und Skipper der „Hanse Sail“, sucht aufmerksam die Wasserfläche nach der nächsten Tonne ab. „Aussichtslos. Wir bleiben weiter auf  Kurs“, kommentiere ich meine ebenso erfolglosen Bemühungen mit dem Glas. Der Greifswalder Bodden ist glatt wie ein Spiegel, aber voller Dunst. Bis zur Kimm, dort am  Horizont, wo sich eigentlich Himmel und Wasser treffen sollten, zerfließt alles in einem einheitlichen Grau.

Drei Minuten später taucht die Tonne „Landtief 11“ im Dunst recht voraus vor der „Hanse Sail“ auf. Hier setzen wir den neuen Kurs 244 Grad ab, in Richtung Tonne „Greifswald“, die uns bei dem dichten Wetter weiter in den Greifswalder Hafen leitet.

Wie wichtig aktuelle Seekarten und der sichere Umgang mit dem nautischen Besteck sind, hat uns schon der Morgen anschaulich vor Augen geführt. Totale Windstille verhieß an der Mündung des Peenestromes in den Bodden bei Freest, dass der Nebel heute nicht so schnell zerreißen würde. Und dabei ist „hille Heringstid“ (hohe Heringszeit). Bis auf die wenigen Meter des Fahrwassers ist die Peenemündung mit Stellnetzen und Booten voller Angler förmlich zugenagelt. Die exakte Übertragung der über Satelliten gemessenen Position (GPS) auf die Karte ist unerlässlich, wenn wir den Fischern nicht den Fang vermasseln wollen. Unerkanntes Versetzen vom Kurs hätte fatale Folgen. Ein Hand-GPS haben wir zwar an Bord, das teilt uns unsere Position mit, aber ein Kartenplotter, der diese Angabe selbständig auf die elektronische Seekarte überträgt, wäre heute hilfreich. Außerdem herrscht Anfang April, trotz einiger warmer Tage, auf den Seewasserstraßen noch Winter. Im kalten Halbjahr ist die Zahl der schwimmenden Zeichen ausgedünnt und die wenigen sind nicht selten vom Eisgang versetzt worden, so dass die Sichtnavigation manchmal schwer fällt. Die Tonnenleger haben noch viel zu tun, damit bis zu Beginn der Wassersportsaison alle schwimmenden Seewasserzeichen wieder an Ort und Stelle im Seeboden fest verankert sind.

Als wir den Tag im Hafen Greifswald-Wieck beenden, hat unsere „Hanse Sail“, ein  Kormoran-1500-Hausboot des größten Vercharterers in Mecklenburg Vorpommern, Berlin  und Brandenburg, Kuhnle-Tours, den Test bestanden. Bei Windspitzen bis 4 Beaufort stellte selbst das Stettiner Haff  Boot und Mannschaft vor keine unlösbare Aufgabe. Wenngleich es bei Wellen gegenan manchmal sogar auf dem achterlichen Sonnendeck etwas feucht wird. Um so sicherer dürfen sich Freizeitskipper mit den Hausbooten auf den kleineren Achtergewässern, Binnenseen und Fließgewässern fühlen. Denn für diese ist die Kormoran-Reihe vornehmlich gebaut. Schleusenfahrten stellen selbst mit diesem 4,40 Meter breitem Boot kein Problem dar, wenn jedem an Bord vorher seine Aufgabe an Fendern und Leinen zugeteilt wurde. Der 85-PS-Nanni-Diesel schiebt das 22 Tonnen schwere Schiff mit bis zu zwölf Kilometern pro Stunde durchs Wasser und das zusätzliche Bugstrahlruder lässt jedes Manöver zu - auch mal die Rückkehr in den Kurs, wenn Wind gegen die hohen Aufbauten das Schiff zu weit querab versetzt hat.
Auf über 100 Boote ist die Kuhnle-Flottille mittlerweile angewachsen. Jedes Jahr kommen fünf weitere Neubauten hinzu. Die Reihe Kormoran 1500, das sind die größten Boote mit einer Länge über alles von 15 Metern, hat es bisher auf drei Exemplare gebracht: die „Königin  Luise“ aus dem Jahr 2004, dazu die erst am 17. April 2005 in Waren (Müritz) getaufte „St. Sebastianus“ und unsere „Hanse Sail“. Diese hatten wir nach der Taufe durch die Rostocker Ex-400-Meter-Läuferin, Olympiasiegerin und Weltmeisterin Marita Koch am 3. April 2005 in Waren übernommen, um sie auf ihrer Jungfernfahrt nach Stralsund zu überführen. Über die Müritz, die Fürstenberger Gewässer, den Oder-Havel-Kanal und das Schiffshebewerk Niederfinow, die Oder, das Stettiner Haff, den Greifswalder Bodden und den Strelasund. In Stralsund an der Nordmole des Stadthafens hat Kuhnle seine nördlichste Niederlassung. Von hier aus dürfen Freizeitkapitäne mit Sportbootführerschein See die Achtergewässer von Rügen und die Bodden befahren. Binnengewässer wie die Peene, die Westside-Passage der Müritz und die Elde, sowie die Rheinsberger, Fürstenberger und Teile der Storkower, Zeuthener und Teupitzer Gewässer (südöstlich Berlins) sind sogar führerscheinfrei.

Wer knapp 4000 Euro übrig hat, darf in der Saison eine Woche lang auf einer Kormoran 1500 mit maximal zwölf Personen in See stechen. Dafür findet er an Bord vier Zweibett-Kabinen (achtern mit Aufbettung) mit je einem Sanitärraum inklusive warmer Dusche, eine Pantry (Küche) mit Gaskoch- und -backherd und zwei Kühlschränke. Die Dieselheizung schafft mollige Wärme im Schiff, auch wenn es Anfang April draußen noch empfindlich kalt ist. Der Salon bietet beste Rund-um-Sicht, aber das Sonnendeck mit Nebenfahrstand macht den Törn bei warmem Wetter erst so richtig klasse.  Kleinere Boote sowie die Vor- und Nachsaison sind bis zur Hälfte billiger.                                                                                   

Rolf Wunsch

Buchung und Anfragen unter Telefon (0711) 16482-0 oder info(at)kuhnle-tours.de


Kuhnle-Tours proudly presents: Das größte Schiff unserer Flotte!
Kormoran 1500 "Hanse Sail" beim Einlaufen Stralsund nach ihrer Jungfernfahrt von der Müritz über die Oder, das Stettiner Haff und den Greifswalder Bodden.

Alle Bilder: Peer Schmidt-Walther


Auf großer Fahrt von Waren über Stettin zum neuen Basishafen Stralsund

 

Stralsund/Waren. Sonntag, 3. April: Nicht nur Böllerschüsse krachten über den Hafen der idyllischen Stadt an der Müritz. Auch eine Sektflasche gegen den Rumpf eines Schiffes. Geworfen von Marita Meier-Koch. Die Olympiasiegerin und 400-Meter-Weltrekordlerin war Taufpatin und gab dem Hausboot seinen Namen. Als sich die blaue Plane mit dem Kuhnle-Tours-Schriftzug hob, kam er zum Vorschein: „Hanse Sail“.

Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling, bisheriger Kopf der Hanse Sail, ist erfreut darüber: „Von heute an wird mit diesem Boot für das Segel-Ereignis auch auf den Küstengewässern, Flüssen und Seen Mecklenburg-Vorpommerns geworben“. Harald Kuhnle, mit 120 Hausbooten Deutschlands größter Vercharterer, fühlt sich, wie er sagt, nicht nur eng mit dem Wassersport verbunden. Er hat inzwischen auch das Privatdomizil von Stuttgart in sein Rechliner Hafendorf Müritz am Südufer des größten deutschen Sees verlegt.

Nachdem der Kasko per Tieflader aus Polen dorthin angeliefert wurde, begann der Innenausbau auf der Kuhnle-Werft. Den Bootsausweis hat das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Stralsund ausgestellt. Daher auch am Steven das Kennzeichen HST - HW 1.

Mit 15 Metern Länge, 4,40 Meter Breite, 1,10 Meter Tiefgang, 62 kW und 22 Tonnen Verdrängung ist der neue XXL-Typ „Kormoran 1500“ - neben der bereits im vorigen Jahr in Fahrt gegangenen „Königin Luise“ - das größte Hausboot in Mecklenburg-Vorpommern. „1500“ steht für die Bootslänge in Zentimetern (der kleinste „Kormoran“ beginnt bei 940). In vier Kabinen, jeweils mit Dusche und WC, und viel Stauraum können zehn Personen untergebracht werden, maximal zwölf. Ideal für vier Paare oder mehrere Familien.

Die „Hanse Sail“ ist außerdem ausgestattet mit einer Pantry, zwei Kühlschränken, Innen- und Außensteuerstand, großem Salon und Sonnendeck mit zwei Tischen und zwölf Stühlen, Badeplattform samt warmer und kalter Außendusche, Warmwasserheizung, Frisch- und Schmutzwassertanks (1200 und 1500 Liter) sowie Landstromanschluss. Ein luxuriöses Boot allemal, das, je nach Saison, natürlich auch seinen Preis hat - zwischen 2120 und 3850 Euro (Grundpreis, zuzüglich Versicherung, Teibstoff, Verpflegung etc.) pro Woche. Bei zehn Mitfahrern - der Skipper braucht allerdings den Sportbootführerschein „Küste“ - und entsprechender Teilung kein allzu großes Problem. Weitere Infos unter www.kuhnle-tours.de

Auf nach Stralsund!

Am frühen Nachmittag, nach Promi-Empfang und Reiseausrüstung, hieß es „Leinen los!“ für die fünfköpfige Überführungscrew (darunter als 2. Steuermann auch der Berichterstatter) unter Führung von Ex-WSP-Polizeikommissar Hans-Joachim Kolm aus Lehnitz.. Vor der „Hanse Sail“ lag eine lange Reise durch mecklenburg-vorpommersche, brandenburgische und polnische Gewässer: über Müritz, Müritz-Havel-Wasserstraße, Obere Havel-Wasserstraße, Havel-Oder-Wasserstraße, Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße, Oder, Stettiner Haff, Peenestrom, Greifswalder Bodden und Strelasund. Insgesamt rund 440 Kilometer Fahrtstrecke in neun Etappen. Schließlich mussten 13 Schleusen und das Schiffshebewerk Niederfinow überwunden werden.

Auf der Havel hinter Fürstenberg gab es sogar einen Seenotfall: Bei einem Fischerboot war der Motor ausgefallen. „Hanse Sail“ nahm es in Schlepp bis nach Himmelpfort am Stolpsee. Als „Bergelohn“ gab es einen fangfrischen Hecht und damit ein köstliches Abendessen.

Für Überraschungen hat immer wieder die landschaftliche Vielfalt links und rechts der Route gesorgt. Nur ein kleiner Ausschnitt, wenn man bedenkt, dass Mecklenburg-Vorpommern 1700 Kilometer Küste, 25000 Kilometer Fließgewässer und mehr als 200 Seen zu bieten hat. Mitteleuropas größtes Wassersportrevier. 25 Prozent der Fläche stehen unter Natur- und Landschaftsschutz. Vom Wasser aus betrachtet präsentiert sich das Land als eine andere Welt. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen in M-V ausdrücklich das nasse Element suchen. Im vergangenen Jahr waren es 7,6 Millionen wassersportbegeisterte Urlauber aus allen Ecken Deutschlands.

Aber auch ansonsten scheue Tiere ließen sich während der Reise aus nächster Nähe beobachten. Durch das vorbeiziehende Boot fühlten sie sich nicht im geringsten gestört, zum Beispiel See- und Fischadler, Biber, Kraniche, Rehe oder Wildschweine.

In Stettin wurde eine betriebsbedingte dreitägige Pause eingelegt. Der geplante Empfang mit den Tourismus-Oberen der Region fiel wegen des Papst-Begräbnisses aus.

Nach weiteren Übernachtungsstopps in Karnin, Wolgast und Greifswald steuert die „Hanse Sail“ am 14. April nachmittags ihre zukünftige Basis im Stralsunder Nordhafen ansteuern. Als dreizehntes Boot und Flaggschiff der expandierenden Kuhnle-Flotte am Strelasund. Fortan kümmern sich die Hafenmeister Daniel Paasch und René Sternke auf ihrer schwimmenden Service-Station um die „Hanse Sail“. Bis sie am Ende der Saison wieder den langen Rückmarsch nach Rechlin antritt zur fälligen Überholung mit anschließender Winterpause an Land.

Dr. Peer Schmidt-Walther

 

Kuhnle-Tours proudly presents:
Das größte Schiff unserer Flotte!
Kormoran 1500 "Hanse Sail" beim Einlaufen Stralsund nach ihrer Jungfernfahrt von der Müritz über die Oder, das Stettiner Haff und den Greifswalder Bodden.


Alles neu im Hafendorf: Kuhnle hat in der Marina Müritz eine der grössten Charterflotten Europas
Berliner Morgenpost, 24.04.2004

 
Wassersportler haben viele Gemeinsamkeiten. Sie lieben es, auf dem Wasser zu sein, sich den Wind um die Nase wehen zu lassen und das Gefühl von Freiheit zu verspüren. Und doch gibt es Unterschiede: Einige fahren gern ein Hausboot, andere flitzen lieber mit einer spritzigen Yacht umher. Manche wollen am liebsten Tag und Nacht auf offener See bleiben, wieder andere ziehen es vor, nur ein paar Stunden auf dem Wasser zu verbringen. Im Hafendorf Müritz, in Rechlin, soll jeder finden, was er sucht: Hafendorf, Marina, Werft, Ausrüstungsgeschäft und Ferienpark sind ein Projekt von Kuhnle-Tours, Deutschlands größtem Charterunternehmen, und der Immobilien GmbH Limburg.

 

Zum Hafenfest etwa kommen Menschen aus ganz Deutschland. Die gesamte Kuhnle-Flotte umfasst mehr als 130 Boote allein in diesem Hafen. Jede Stunde nimmt ein Hausboot eine Gruppe zur Tour über die Müritz mit. Männer stehen am großen Kuhnle-Kran, schauen zu, wie ein 12,80 Meter langes Hausboot aus dem Wasser gehoben wird. Beeindruckend ist die Führung durch die Kuhnle-Werft. Hier werden die Hausboote von den Möbeln bis hin zur Elektrik und Hydraulik selbst ausgestattet.

 

Aber nicht nur Hausboote, auch Jollen, Ruderboote und Segelyachten können bei Kuhnle-Tours Wochen-, Tage oder Stundenweise ausgeliehen werden. "Am beliebtesten sind auf den Mecklenburgeischen Seen die gemütlichen Hausboote," erzählt Harald Kuhnle, der schon als Student angefangen hat, Boote zu verchartern, "wegen der vielen Kanäle hier ist Segeln den meinsten zu mühsam.". Ganz neu im Hafendorf ist der Kormoran 1500, das einzige Hausboot der Flotte mit einer Länge von 15 Metern.

 

Vor einem der Kormorane stehen vier Männer und hieven ihr Gepäck an Bord. Sie planen einen Törn über die Mecklenburgischen Seen. Dass keiner von ihnen einen Sportbootführerschein Binnen besitzt, soll sie davon nicht abhalten. Bevor die Fahrt beginnt, bekommen die Männer von Kuhnle-Tours Mitarbeiter Conrad Apel eine dreistündige Einweisung. Diese soll ihnen das führerscheinfreie Fahren in bestimmten Gewässern ermöglichen. Nach theoretischen und technischen Einweisungen ist es dann soweit: Norbert Homuth, der zum Schiffsführer der Vierer-Crew ernannt worden ist, soll zeigen, dass er die soeben gelernte Theorie auch in der Praxis umsetzen kann. Und siehe da: Homuth steuert das Boot sicher aus dem Hafen und meistert dieAnlegemanöver ohne große Probleme. Doch er ist auch kein Anfänger mehr. Schon zum dritten Mal chartern sich die Männer ein Hausboot von Kuhnle-Tours. "Wir beginnen unsere Törns gern im Hafendorf Müritz", erzählt Homuth, "hier ist es ruhig und die Natur ist wirklich beeindruckend." Homuth hat die Einweisung gut gemeister, fraglich ist jedoch, ob auch Anfänger nach drei Stunden mit einem Hausboot umgehen können. "Wir üben mit den Anfängern so lange, bis diese das Gelernte in die Praxis umsetzen können," erklärt Kuhnle-Tours Mitarbeiter Peter Menzel, "und wenn alle Stricke reißen, bieten wir einen Skipper zur Begleitung an." Die Zahl der Unfälle ist durch das führerscheinfreie Fahren übrigens nicht gestiegen. Laut Wasserschutzpolizei werden die Unfälle sogar häufiger von Menschen mit Führerschein verursacht. "Diejenigen, die nach einer Einweisung das erste Mal mit dem Boot unterwegs sind, fahren meistens sehr vorsichtig", erzählt Menzel, "die anderen überschätzen dagegen oft ihre Fähigkeiten und sind unaufmerksam." Bei der Vierer-Crew ist bisher noch alles gut gegangen. Hin und wieder ist mal einer von Bord gefallen – aber dank der Einweisung, die den Wassersportlern auch das Verhalten bei "Mann über Bord" erklärt, haben solche Vorfälle eher zu allgemeiner Erheiterung als zu Missmut beigetragen.

 

Sichtlich erheitert ist auch eine Gruppe junger Leute. Im Ferienpark des Hafendorfs sitzen sie auf der Terrasse ihres Hauses, genießen die Sicht auf die Müritz. Auch sie sind gern auf dem Wasser – allerdings nicht den ganzen Tag. Deshalb haben sie sich im Ferienpark ein Haus gemietet. So können sie für ein paar Stunden mit dem Boot aufs Wasser und den Rest des Tages an Land verbringen. Bisher gibt es im Ferienpark 25 Häuser, weitere sind in Planung. Außerdem werden innerhalb der nächsten zwei Jahre Tennisplätze, Strandbereiche, ein Appartement-Turm und eine überdachte Spielewelt entstehen. Dann ist es wohl bald vorbei mit der von der Vierer-Crew so geschätzten Ruhe im Hafendorf. Doch dafür gibt es in der Marina ja die Boote, die einen hinaus aufs große Wasser und in die Ruhe befördern können.


Basis für Sauerkrauttour
Fränkische Nachrichten, 19.9.2005
 
HAUSBOOTE: Hafen am Rhein-Marne-Kanal in Niderviller
Die Hausboote von Kuhnle-Tours, die knuffigen Stahlverdränger der Kormoran-Baureihe, bekommen einen eigenen Hafen in Frankreich. Die Charterfirma öffnete eine eigene Basis in Niderviller am Rhein-Marne-Kanal (Kilometer 245,6; Südufer). Schon seit 1998 gibt es die auf der firmeneigenen Werft gebauten Kormoran-Hausboote in Frankreich, sie wurden jedoch immer von Subunternehmen betrieben.
Gerade Skipper, die auf eigenem Kiel in Elsass-Lothringen unterwegs sind, sollten sich den neuen Hafen merken. Denn vom kommenden Frühjahr an gibt es dort auch für Gäste komfortable Liegeplätze mit Strom und Wasser, eine Dieseltankstelle, einen 32-Tonnen-Kran, gepflegte Sanitäranlagen und technischen Bootsservice.
Die neue Basis im idyllischen Keramikstädtchen Niderviller liegt am längsten schleusenfreien Stück des Rhein-Marne-Kanal; bis zur Schleuse Rechicourt in Richtung Westen sind es 23 Kilometer und nach Osten kann man gute zehn Kilometer fahren bis das Schiffshebewerk Arzviller in Sicht kommt. Viel Platz also gerade für Einsteiger, um sich an das Boot zu gewöhnen.
Auch für erfahrene Skipper bietet das Revier so manche Herausforderung: Niderviller ist ein idealer Start- und Zielpunkt für die Kleine Sauerkrauttour, den zweiwöchigen Rundtörn über Saarkanal, Mosel und Rhein-Marne-Kanal. Einen Wochentörn ist der Besuch der Europastadt Straßburg wert und selbst für ein Wochenende lohnen die idyllischen Wein- und Glaskunstorte in der nächsten Umgebung das Ablegen.

Einzelheiten unter Telefon 07 11 / 16 48 20 bei Kuhnle-Tours GmbH, Nagelstraße 4, 70182 Stuttgart, Fax 07 11 / 1 64 82 60, E-Mail: info(at)kuhnle-tours.de.


Im Revier von Aal und Hecht
- von Sabine Komm, Bremer Nachrichten 14.6.2003

 
Wie Tintenflecke leuchten die Mecklenburgischen Seen auf unserer Karte. Mal schmal wie Flüsse, dann bauchig ausladend wie der Plauer See und der Kölpinsee. Gewässer, auf denen wir in aller Ruhe in die Natur eintauchen. Als Schiffsjunge Finn den Anker über Bord wirft, dreht sich unser Charterboot noch ein paar Minuten schwerfällig im Wind. Dann gluckern die Wellen friedlich gegen den Schiffsrumpf. Ruhe. Fische springen. Zwei Haubentaucher ganz hinten am Schilfgürtel. Wir sitzen auf dem Sonnendeck und beobachten mit dem Fernglas den Landeanflug der Kormorane.


Zehn Tage lang sind wir in den Gewässern der Mecklenburgischen Seenplatte unterwegs, zwischen Müritz und Plauer See, einem der größten zusammenhängenden Seengebiete bundesweit. Gechartert haben wir ein Hausboot vom alten Stil, das in Wirklichkeit gar nicht so alt ist, wie es aussieht. Mit einem Stahlrumpf, in dem sechs Personen Platz haben. Dazu eine komplette Küche, Duschkabinen und Kajüten, in denen man sich nicht den Kopf stößt, und zwei Steuerstände, einer drinnen und einer draußen.


"Möwe", "Fischreiher", "Kormoran" – zu Dutzenden sind solche Boote jedes Jahr unterwegs. Unser Hausboot heißt "Graskarpfen". Graskarpfen? "Die fressen tatsächlich Gras, aber sonst sind sie kaum genießbar", sagt der Mann der Charterbasis Claassee an der Müritz und rümpft die Nase. Er erklärt uns die Bordtechnik und erzählt en passant, dass es ihn vor ein paar Jahren von Kuba hierher verschlagen habe, aus Liebe. Wir nicken ungeduldig und wollen los. Zur Müritz, dann weiter nach Westen.


Begleitet von Aalreusen und Stellnetzen fahren wir quer über den Plauer See. Wie ein Seezeichen lotst uns der mächtige Turm der Burg von Plau zur Mündung der Elde. Auf Flößen wurden hier Eichenstämme verschifft. Heute erinnern nur noch die sorgfältig restaurierten Fachwerkhäuser rechts und links der Kopfsteinpflasterstraßen an früher. Wir kehren ein in der Kneipe "Plawe" direkt am Wasser und essen Fisch-Soljanka und gebratenes Hechtfilet. Alles fangfrisch.


"Hühnerledder" nennen die Leute aus Plau die Seilhubbrücke von 1916 mitten im Ort. Ein Pulk von Freizeitkapitänen wartet, dass sie endlich hoch geht. Alle wollen auf der Elde, halb Fluss, halb Kanal, ins Hinterland fahren. "Übereinanderstapeln", ruft der Skipper des MS "Diana" mit Heimathafen Lenz, als es in der Schleuse von Plau eng wird. Zentimeterarbeit. "Hunderte kommen jeden Sommer", erzählt uns die Schleusenwärterin. Dann werde schon mal gemeckert über die langen Wartezeiten. "Sollen sie doch ihre Wut bis zur nächsten Schleuse aufsparen", sagt sie streng. Da gibt es keinen Schleusenwärter mehr. Die High-Tech-Schleuse Barkow arbeitet vollautomatisch. "Talschleusung läuft", lesen wir auf dem Display, als es losgeht. Und zum Schluss: "Tore öffnen. Bei Grün ausfahren." Kein Tratsch, kein Winken, kein kläffender Schleusenhund – wie unromantisch.


Bis 1974 sind auf der Müritz-Elde-Wasserstraße noch Lastkähne gefahren, erzählt uns der Schleusenwärter von Lübz, während er in der Dönerbude Mittag isst. Sie waren mit Baustoffen, mit Holz, Schotter und Steinen für Berlin beladen, zum Teil auch mit landwirtschaftlichen Gütern. "Die sind durch niedrige Löhne ausgehungert worden, zugunsten des Lkw-Verkehrs", sagt er. Tatsächlich begegnen wir auf der ganzen Tour nur einem einzigen Arbeitsschiff, ansonsten nur Freizeitboote.
Ein Vogel sucht in der trocken gefallenen Schleuse von Bobzin etwas zu fressen. Zehn Meter Hub, das dauert. Zeit genug, um übers Wetter und die Nieten unter den Freizeitkapitänen zu plaudern. "Weg vom Beckenrand", ruft die Schleusenwärterin und droht Mischlingshund Felix mit dem Handfeger. Eine Warnung, die sie auch Skippern mit auf den Weg gibt: "Ein Bein an Land, ein Bein an Bord – so passieren böse Überraschungen." Seitdem sie im Dienst ist, 18 Jahre immerhin, hat sie so manchen Kapitän ins Wasser stürzen sehen.


Den Apfelpflücker hält uns der Mann mit dem Elbsegler direkt unter die Nase, als wir die Drehbrücke von Malchow passieren: "Bitte eine kleine Spenden zum Erhalt dieses historischen Denkmals". Klaus-Dieter Elzemann ist einer der fünf älteren Herren, die hier Dienst schieben. Dann winkt er das nächste Boot heran: "Ein bisschen schneller!" Geht nicht. "Ich fahr’ das Schiff zum ersten Mal", ruft die Frau am Steuerstand. Der Malchower Brückenwärter lächelt. Dann müssen die Autos rechts und links der Drehbrücke eben ein bisschen länger warten.


Wir schlafen, bis uns das Klingeln der Drehbrücke weckt. Spaziergang zum Orgelmuseum in der neogotischen Klosterkirche von Malchow. Stiftsdamen gibt es hier nicht mehr, die Fenster sind eingeschlagen, die Dachziegel locker. "Auf eigene Gefahr. Steinschlaggefahr", warnt der Professor aus Ulm, der hier seinen Urlaub verbringt, um Orgel zu spielen: "Eine alte Friese-Orgel, stabil gebaut fürs Volk, sonst hätte sie die DDR-Zeit gar nicht überlebt."


Er nimmt uns mit ins Gehäuse, zu den meterhohen Orgelpfeifen von Friedrich Friese, Ende des 19. Jahrhunderts Hof-Orgelbauer von Schwerin. 4000 Euro will der Professor für die Sanierung spenden. Er nimmt Platz, zieht an den Porzellangriffen, auf denen mit Schnörkelschrift "Zartflöte" und "Gedackt" steht, und beginnt zu spielen.


"Hochkommen, schöne Landschaft!", ruft der Kapitän der "Graskarpfen". Wir ziehen die Windjacken über und gehen an Deck. Zwischen den tanzenden Bojen J1 und J2 hindurch fahren wir in einen schmalen Kanal, den man mitten im Schilfgürtel mehr ahnen als sehen kann.


Unser Ziel ist der kleine Jabelsche See und dort der Steg von Hans-Joachim Kalg, Fischereimeister von Damerow. Mit Reusen und Stellnetzen fängt er jede Menge Hecht, Zander und Barsch. 5,50 Euro verlangt er für ein Kilogramm frischen Hecht, inklusive Führung. Vorbei an Tonnen, in denen im Stil von Astrid Lindgrens "Saltkrokan"-Erzählung Aale über Buchenholz räuchern.


Kalg führt uns hinaus auf den Steg zu den Zuchtbecken. Anders als in Plau gibt es bei ihm noch genug Hechte. Denn von jedem gefangenen Fisch streicht er den Fischlaich ab und zieht ihn groß. "Ich sorge rechtzeitig für die Zukunft", sagt er knapp, während er auf einem Brettchen Aale zubereitet und ab und an einen Happen für die dicke Hauskatze fallen lässt. Wir gehen wieder an Bord. Abends wird in der Bordküche gekocht: Hecht mit Dillsauce.


Die Nacht verbringen wir im Seglerhafen von Rechlin, gerade mal eine halbe Stunde von unserer Charterbasis entfernt. Sicherheitshalber. Um neun Uhr morgens müssen wir die "Graskarpfen" abgeben. Doch am nächsten Morgen die Überraschung. Über Nacht ist Sturm aufgezogen. Die Wanten der Segelschiffe klackern. Die Taue der "Graskarpfen" knarren. Windstärke sechs bis sieben. Wir verstauen Geschirr und Bücher und ziehen die Schwimmwesten an.


Kaum sind wir auf die Müritz rausgefahren, schlägt uns der Wind entgegen. Wellen bauen sich auf. Bojen tanzen. Die Hafeneinfahrt scheint elendig weit entfernt. Ein mulmiges Gefühl. Das Hausboot hinter uns dreht ab. Wir fluchen über die wenigen PS unseres Motors, bis wir es endlich doch noch schaffen. Von der Charterbasis darf an diesem Tag kein Boot mehr auslaufen. "Kleines Meer" haben slawische Siedler die Müritz genannt – zu Recht.

Kuhnle-Tours bedankt sich ganz herzlich für den Artikel und die Genehmigung, ihn hier Veröffentlichen zu dürfen! Eva Irina Mühleck, 30.6.2003


Mit Laura, Till, Jan-Niklas und Kapitän Lugas über Seen und Kanäle
Text aus dem Wochenend-Magazin der Rhein Main Presse vom 30.6.2001, geschrieben von Dorothea Heintze, Bilder aus dem KUHNLE-TOURS-Archiv

 

Ist doch klar, zu einem Schiff gehört eine Piratenflagge, eine Piratenkiste und natürlich der Piratenkapitän. Die ersten beiden Punkte sind kein richtig großes Problem, die Flagge wird gehisst, kaum, dass wir an Bord sind; eine "Schatztruhe" für die eigenen Spielsachen findet jedes Kind in einem Wandschrank oder in einer Schublade - nur wer denn nun der Kapitän ist, das bleibt zunächst noch offen. Der Gatte? Der Freund des Gatten? Seine Frau? Oder gar die Gattin selbst?


Exakt 17,5 Stunden bleibt die Frage offen, dann ist entschieden: der Kapitän an Bord heißt Lukas, 11 Jahre alt. Wir schreiben Samstag, den 1. April 2001, 11 Uhr morgens, unser Standort liegt irgendwo mitten auf der Müritz, Deutschlands größtem Binnensee und zum ersten Mal während unserer fast eineinhalbtägigen Tour haben wir ein anderes Schiff in Sicht. Dieses Schiff ist nicht besonders schnell. Es sieht so aus, als könnten wir es überholen. Genau das ist der Moment, in dem Lukas aus seiner geschauspielerten Langeweile in der Kombüse erwacht und an Deck kommt . "Meint ihr, wir kriegen den?", fragt er. Dann übernimmt er das Steuer. Überflüssig zu sagen, dass wir ihn "kriegen" und Kapitän Lukas großmütig winkt, als wir an dem anderen Skipper vorbeiziehen.

Doch gemach - vielleicht sollten wir die Geschichte von vorne beginnen. Es beginnt im Sommer letzten Jahres. Da sitzen wir, Eltern zweier kleiner Jungen und frisch geprüfte Besitzer verschiedener Segel-und Motorbootscheine bei unseren Freunden in Hannover und prahlen mit den großartigen Möglichkeiten, die sich uns von nun an ferientechnisch eröffnen: Segeln auf der Nordsee oder Hausbootfahren auf allen möglichen Binnengewässern - all dies sei zukünftig kein Problem mehr. Das folgende ergibt sich wie von selbst.


Hausbootfahren, das wollten unsere Freunde, Eltern von Laura, 9 Jahre alt und Lukas, 11 Jahre alt, schon immer. Schnell einigten wir uns auf den nächsten Frühling als Termin und auf die Müritz plus angrenzende Gewässer als Zielgebiet. Ein Hausboot mieten mit vier Erwachsenen und vier Kindern im Alter zwischen drei und elf Jahren? Verständnisloses Kopfschütteln ist noch eine der harmloseren Reaktionen, die wir in der folgenden Zeit zu hören bekommen. "Ihr spinnt ja total", heißt es in der Regel. Zu gefährlich, zu eng, stinklangweilig für die Kinder usw. Je näher der Termin rückt, desto bedenklicher werden auch wir: Ist Till mit drei Jahren nicht wirklich viel zu klein? Was machen wir, wenn es regnet? Wie verstauen wir den ganzen Kram auf dem engen Boot?


Natürlich kommt alles anders.Till fühlt sich von der ersten Minute an pudelwohl an Bord und akzeptiert problemlos, dass er draußen eine Schwimmweste tragen muss. Auf dem Schiff ist es zwar wirklich ziemlich eng, aber irgendwie kriegen wir alles unter - unter Betten, in Wandschränken oder in der Esstischbank: Unser zwölfeinhalb Meter langer "Fischreiher" mit seinen drei Kajüten mit WC`s mit Duschen ist ein kleines Raumwunder. Auf der großen Terrasse können wir sogar fünf Fahrräder problemlos an der Reling festmachen. Und das norddeutsche Schietwetter? Wenn es nach Jan- Niklas gegangen wäre, hätte es ruhig noch mehr regnen können. Dann wäre er beim Monopoly zum Immobilienspekulant aufgestiegen.


Sieben Tage schippern wir nun über Kanäle und Seen. Unsere Tour führt uns von der mecklenburgischen Müritz im Norden bis nach Rheinsberg und Fürstenberg in den brandenburgischen Gewässern. Greifvögel kreisen über uns, Rehe springen ins Gebüsch, wenn wir uns nähern, zwei Kraniche staksen mit lautem Gekreisch in den Wald und schlagen mit den Flügeln, in einer schmalen Kanaleinfahrt kreuzt ein Eisvogel unseren Weg: schillerndes Blau in der gleißenden Sonne. Unsere erste Nacht verbringen wir an einem Anleger im Feriendorf bei Granzow (Anmerkung KUHNLE-TOURS: siehe Bild rechts). Jetzt in der Vorsaison liegen wir allein am Steg. Abends machen wir ein Lagerfeuer und braten Stockbrot. Am nächsten Morgen turtelt ein Schwanenpaar im Schilf vor dem Boot. Nebel steigt auf, Natur pur.


Wenn Kapitän Lukas keine Lust mehr zum Steuern hat, dann radelt ein Erwachsener mit den Kindern voraus. Einkäufe lassen sich so problemlos erledigen. Wir besichtigen eine Kirche und warten im traumhaft schön gelegenen Schlosspark von Mirow darauf, dass unser schwimmendes Zuhause uns wieder aufnimmt. An einem Tag legen wir an der Marina Wolfsbruch an und staunen über das künstlich angelegte Feriendorf, mit Hafenmole, Schwimmbad und schwedischen Holzhäusern am Hang. In dem winzigen Ort Zechliner Hütte essen wir Zander, unterhalten uns mit einem Spaziergänger über Ossis,Wessis und blühende Landschaften, während die Kinder auf einer Weide nebenan Pony Daphne und Esel Gustav füttern. Mit einem Taxibus fahren wir von Rheinsberg nach Menz. Dort steht im Zentrum des gerade neu geschaffenen Naturparks Stechlin-Ruppiner Land das Besucherzentrum, ein wahres Wunderfeuerwerk an pädagogischen Ideen. Die Kinder telefonieren mit einem Storch, sie beobachten eine Waldfabrik und legen ein Nahrungskettenpuzzle. Anschließend wandern wir zum glasklaren See und beobachten Wasservögel.


Ohne Exkursionen, das wird uns Eltern schnell klar, wäre die Reise in der Tat zu einseitig für die Kinder. So jedoch freuen wir uns immer darauf, den Motor zu starten. Ablegen, Anlegen und das Schleusen blieben bis zum letzten Tag das größte Abenteuer. Wer darf vorne halten, wer hinten? Wann können wir einfahren? Reicht die Wassertiefe, hängen die Fender draußen, kommt ein anderes Schiff? Natürlich bewahren die Männer immer ruhig Blut, die Frauen rufen "Vorsicht"und "Nicht so schnell" - die Kinder schlagen sich mal auf die eine, mal auf die andere Seite. Kapitän Lukas beispielsweise wird immer stiller,je angespannter die Stimmung ist, Jan-Niklas kommen die Tränen, Laura hält ihre meist gute Laune und Till brüllt einfach drauflos. Wichtigstes Requisit der Reise wird der Küchenschrank oben rechts: Vollgestopft mit Gummibärchen, Marsriegeln und Überraschungseiern zum Trösten, Ablenken oder Bestechen.


Der letzte Abend kommt - die letzte Einfahrt zum Hafendorf Marina Claassee liegt vor uns. Grüne und rote Bojen kennzeichnen die Fahrrinne, Möven haben sich darauf niedergelassen, am Horizont geht die Sonne unter. Fast zuviel Kitsch und doch packt selbst die Kinder diese Stimmung. Ob wir denn wirklich schon nach Hause müssen, klagt Jan-Niklas. Aber sicher, schließlich müsse er doch seinen Kumpels im Kindergarten von der tollen Reise erzählen. Einige Minuten Pause und dann: "Aber ich kann doch morgen kurz in den Kindergarten fahren und erzählen wie es war. Aber dann möchte ich 20 000 mal weiter Schiff fahren...."


PS:Das müssen wir noch nachtragen: Fast die gesamte Tour hätten unsere Freunde auch ohne uns, bzw. unsere Motorbootführerscheine machen können. Seit dieser Saison ist der größte Teil der Mecklenburgischen Seen führerscheinfrei.


Is' was,  Käptn?
Bericht im ADAC-Reisemagazin 'Elsass' von Journalistin Hannah Glaser

An einem warmen, strahlenden Frühlingsabend warten wir im Sporthafen Port du Houillon auf unser Hausboot für eine Tour auf dem Rhein-Marne-Kanal. Während wir noch unschlüssig am Ufer stehen, nähert sich mit baßtiefem Motorgeblubber und heiterer Grandezza ein luxusrenovierter, historischer Lastkahn. Er ist so massig, daß er den Kanal fast ausfüllt. Kübel mit blühenden Pflanzen schmücken Bug und Heck, durch die Fenster sieht man Gemälde an den Wänden und eine Bibliothek mit gewaltigen Ohrensesseln. Die Gäste sind an Deck versammelt und nehmen an einer festlich gedeckten Tafel das Dinner ein.

Während der stilvolle Luxusfrachter feierlich an uns vorüberzieht, wird der nächste Gang aus der Kombüse getragen und fachgerecht serviert. Wir stehen wie angewurzelt und starren hinüber, unbeherrscht und indiskret, bis die Erscheinung hinter der Biegung des Kanals verschwindet. Unsere 7jährige Tochter Meike findet als erste die Sprache wieder: "Und so ein Schiff kriegen wir jetzt auch oder wie?" Ihr 13jähriger Bruder Mäx stöhnt gequält auf: "Na klar, aber bei uns ist hinter dem Steuerstand noch ein Hubschrauberlandeplatz."


Unser Hausboot ist etliche Nummern kleiner und liegt blankgeputzt und startbereit an den Hafenpollern vertäut. Nirgendwo an Deck prangen Terracottakübel mit Lavendel, und auch unter Tage verstecken sich weder Ohrensessel noch dienstbares Personal. Eben so, wie es in den Unterlagen steht:"Beim Hausboot-Fahren ist man Kapitän, Hilfsmatrose, Koch, Abwäscher und Putzgeist in einer Person".
Meike zumindest ist von der Idee begeistert, daß wir vier alleine auf die Reise gehen, ganz ohne Steuermann und einen fremden Kapitän, der Befehle gibt und dem man widerspruchslos zu gehorchen hätte. Ganz besonders hat es ihr die Kajüte angetan, in der ab sofort ihre Kuscheltier-Meute wohnt: "Da drin ist es voll gemütlich!".


Mittlerweile ist Frédéric Berlocher an Bord gekommen. Als Inhaber und Chef des Hafens samt seiner 55 Liegeplätze erläutert er elsäs-isch-schwäbelnd mit französischem Akzent ausführlich die Details für die Reise. Wie auf den meisten Gewässern Europas darf man auch den Rhein-Marne-Kanal im Hausboot ohne speziellen Führerschein befahren, umso wichtiger ist es, jetzt aufzupassen, denn wir sind Anfänger an Bord.


Also, wo sind die Lichtschalter, wie funktioniert das Bugstrahlruder (simpel auf Knopfdruck) und wie die Heizung (am besten nur bei laufendem Motor). Wenn unterwegs eine Signalanlage auf Rot geschaltet ist, machen wir das Boot am nächsten Poller fest, wenn der Kanal sehr schmal wird oder um die Ecke führt, wird ausgiebig gehupt. Und wenn wir in einen Tunnel einfahren, sollen wir die Navigations-Lichter anknipsen.

In einen Tunnel? Mit Schleusen haben wir gerechnet und auch mit der Fahrt im spektakulären Schrägaufzug des Schiffshebewerkes bei Arzviller, aber Tunnel? Bien sur, wir haben Frédéric richtig verstanden, zwei davon erwarten uns auf der Strecke, und zwar noch ehe wir die erste Schleuse zu bestehen haben. Der zweite Tunnel ist noch dazu zweieinhalb Kilometer lang und außerdem "isch es drinne so kalt wie in einöm gutön Weinkellör".


Wie Recht er hat, merken wir als wir am nächsten Tag in das finstere Loch einfahren. In der schnurgeraden, einspurigen Unterführung läßt einen nicht nur die Temperatur frösteln, auch sonst herrscht verschärfte Krimi-Atmosphäre. Das nachtschwarze Wasser mißt laut Echolot 3.60 Meter Tiefe, von der grob behauenen, unbefestigten Höhlendecke klatschen fette Tropfen in den Nacken. Jedes Wort kommt mit lautem Hall zurück, und den blubbernden Motor verstärkt das vielstimmige Echo so, daß es klingt, als wäre uns eine Meute keuchender Rottweiler auf den Fersen.


Rechter Hand läuft ein hölzerner Rammschutz an der Tunnelwand entlang, links läßt das Dämmerlicht jenen Schienensteg erahnen, auf dem einst die kleinen Elektrolokomotiven liefen, mit denen die Lastkähne durch den Tunnel gezogen wurden. Hin und wieder sind Türen in die Wände eingelassen mit der Aufschrift "Access interdit" - als hätte irgendwer Lust, freiwillig in die finsteren, feuchten Verließe einzudringen.

Vom Tunnelblick und seinen Auswirkungen aufs Familienleben hat Frédéric nicht gesprochen. Während Mäx die schwarz glänzenden Wände mit der Taschenlampe untersucht, sein Vater am Steuer das kleine, ferne Licht als Richtungsanzeiger fixiert und ich mit einem langen Stock am Bug stehe, falls wir der Wand zu nahe kommen sollten, während wir drei also nur darauf achten, möglichst in der Mitte der 6.20 Meter schmalen Rinne zu bleiben, macht Meike ihr eigenes Programm. Unbemerkt klettert sie aus dem hinteren Kombüsenfenster heraus und lotrecht über die Schraube aufs Schiffsdach, wo sie mit dem Dachshaar-Rasierpinsel ihres Vaters die Reling einseift.

Auch im weiteren Verlauf der Reise nutzt sie manche Streßminute an Bord, um sich unter Deck eine nette Zeit zu machen. Zwar gibt es keine haarsträubenden Klettereien mehr, und der Pinsel bleibt fortan in der dazugehörigen Naßzelle - wie die beiden WCs mit dem integrierten Dusch-Waschbecken euphemistisch heißen. Doch nach der adrenalinhaltigen Fahrt in die Wanne des Schiffshebewerkes, bei der Eltern und der große Bruder alle Hände voll zu tun haben, ist vom Rohmilchkäse nur noch die Verpavkung übrig, und die Gummibärchen fehlen ebenso wie die Pralinen. Zeit genug hatte Meike für ihr Festmahl, denn die Tour im Schrägaufzug dauert mit allem Drumherum gute 20 Minuten – und in unserem Fall sogar etwas länger, weil wir vor lauter Aufregung den Wanneneingang reichlich schief ansteuerten und eine Ehrenrunde im Kanal drehten.


Das Hebewerk entstand, weil an dieser Stelle einst 17 Schleusen auf nur vier Kilometern Länge den Frachtschiffverkehr fast zum Erliegen brachten. Zur Lösung des Problems baute man eine Art Badewanne auf Rädern, die einen voll beladenen Lastkahn aufnehmen und auf einer 41 Grad schrägen Ebene entlang einer Leitschiene nach oben oder unten verschieben kann. Diese Wanne ist auf den Schmalseiten mit Hebetoren versehen, so daß der Bottich wasserdicht verschlossen ist. Die Fahrt des Troges wird von Gegengewichten und Stahlseilen reguliert und dauert nicht länger als vier Minuten. Sobald die Wanne am anderen Ende angekommen ist, werden Hubtor und die Seitenwand hochgezogen, und der Lastkahn fährt hinaus in den Kanal. Zehn Stunden Schufte-rei in den 17 Schleusen wurden damit auf eine halbstündige Fahrt reduziert.

In der Hochsaison müssen die Ferienkapitäne heutezutage vier Stunden lang im Stau stehen bis sie an die Reihe kommen. 2300 Gäste aus aller Welt besichtigen in den Juli- und Augustwochen täglich diesen einmaligen, technischen Clou. Jetzt, zur Osterzeit sind die Park-plätze leer, und auch im Bottich gibt es keine Wartezeiten. Im angeschlossene Museum, das in einem historischen Lastkahn die Entstehung der Anlage zeigt, sind wir ebenso die einzigen Besucher wie im Maschinenraum. Dort laufen die riesigen Reibungswalzen, die den 900 Tonnen schweren Trog und die beiden 450 Tonnen schweren Gewichte mit Stahlseilen verbinden.


Wieso das Wasser beim Stoppen des Troges eigentlich nicht aus der Wanne glitscht, will Mäx wissen, schließlich schwappt doch auch jede Cola aus dem Glas, wenn man es an-schiebt und wieder abbremst. Der Wachmann Michel Karabin, der Besuchern den Weg weist und im Sommer auf Hochtouren Gruppen zur Besichtigung führt, hat Zeit für einen Schwatz und alle technischen Daten im Kopf: Beim Anfahren wird nur mit 0.02 Metern in der Sekunde beschleunigt, das Tempo steigert sich nach 12 Metern Fahrt auf die Höchstgeschwindigkeit von 60 Zenti-metern in der Sekunde und wird auch genauso wieder abgebremst. Deshalb bleibt das Wasser an Ort und Stelle.


Strenggenommen war das Hebewerk von Arzviller bei seiner Eröffnung 1969 schon ziemlich überflüssig, denn damals waren die Péniche genannten Lastkähne bereits auf dem Rückzug. Kohle, Erze und Stahl wurden für den Transport von und nach Lothringen sowie zwischen Saarland und Rhein verstärkt auf die schnel-leren LKWs verladen. Heute fährt höchstens ein einziger Frachter pro Tag in Arzviller vor, das große Geschäft bringt die Freizeitschiffahrt. Uns begegnet während der viertägigen Reise nicht eine einzige Péniche.

Hineinfallen möchte man keinesfalls in dieses Wasser, auch wenn die Sonne heiß ist und auf den betonierten Kanal-Kilometern immer wieder Strickleitern vom Ufer hängen, damit ein eventuelles Bad hier nicht zur Falle wird. Doch schon als Frédéric bei der Einweisung an Bord die Handpumpe an der Kloschüssel demonstrierte, war nicht zu übersehen, daß sämtliche Abwässer direkt in den Kanal rauschen. Zweihundert Hausboote wie unseres sind auf dem Rhein-Marne-Kanal unterwegs, und auch aus den adretten Häusern unterwegs führen wenig adrette Abwasserrohre justament in unsere Fahrrinne.


Selbst im idyllischen Lutzelbourg, wo wir malerisch im Ortszentrum unter Birken anlegen um über Nacht zu bleiben, begleitet uns neben dem schönen Glockenschlag der nahen Kirche das stete Tröpfeln aus diversen Abflußrohren. Mäx, der beim morgendlichen Baguettekauf sein erstes Jahr Schulfranzösisch testet, kramt das Wörterbuch heraus: Ob sich "Umweltschweinerei" wohl mit "cochonnerie du milieu" übersetzen läßt?


Wer die Augen jedoch weiter schweifen läßt als nur bis zum nächsten Kanalrohr, gerät prompt ins Schwärmen. Nicht umsonst gilt die Strecke zwischen Gondrexange und Saverne als das schönste Teilstück des 1853 fertiggestellten Rhein-Marne-Kanals. Da wechseln Speicherseen mit birkenbewachsenen Ufern, lichte Wälder mit weiten Rapsfeldern, flache Ebenen mit dem engen, gewundenen Lauf durch die nördlichen Vogesen.


So ist es kein Nachteil, daß man dieselbe Strecke wieder zurückfahren muß, im Gegenteil, wir freuen uns auf Lutzelbourg mit dem Restaurant im ehrwürdigen "Hotel des Vosges", mit dem Spielplatz am Kanalufer und mit seinen Bergen, die von sieben Burgruinen gekrönt sind. Sie alle sind mit Wanderungen zwischen 30 Minuten und zwei Stunden zu erreichen, und jede garantiert einen traumhaften Blick und Stunden wilder Kletter- und Entdeckerfreuden für die Kinder.


Genügend Zeit für den Genießerblick auf die Umgebung gibt es allemal, schließlich stoppt alle paar hundert Meter eine Schleuse jeden Versuch, richtig in Fahrt zu kommen. Dann heißt es abwarten bis die Ampel grün wird, mit Standgas in die Schleusenkammer einfahren und die Leinen an Bug und Heck so um die Poller herumlegen, daß man die Seile vom Boot aus wieder in der Hand hat, um damit das Schlingern, beim Ablaufen (bergab) oder beim Eindringen des Wassers in die Schleusenkammer (bergauf) auszugleichen. Mehr Einsatz braucht es nicht, der Rest heißt warten bis die Schleusenkammer jeweils voll oder leer ist, und mit den Gästen vom Nachbarboot den einen oder anderen Tipp austauschen.


Und wenn gerade mal keine Schleuse die volle Fahrt voraus verhindert, taucht garantiert eine Entenfamilie im Kanal auf. Dann sorgt Meike mit wüstem Geschrei dafür, daß ihr Bruder am Steuerrad das Tempo bis zum Stillstand drosselt, solange bis sie alle Baguette-Vorräte verfüttert hat. "Na, ist der Event schon zuende?" fragt Mäx dann jedesmal entnervt und läßt den Motor endlich wieder schneller blubbern.
Natürlich haben wir unterwegs Flammkuchen und Baeckeoffe gegessen, haben uns in das Städtchen Saverne mit seinen alten Gassen und Straßenmusikanten verliebt und gegenüber vom Chateau des Rohan angelegt, dessen monumentale Fassade in der Nacht mit ihren beleuchteten Kollossalsäulen aussieht wie eine Kopie von Versailles. Wir haben an Deck Eier im Glas gefrühstückt, im Schatten uralter Platanen Mau-Mau gespielt und auf grasbewachsenen Treidelpfaden am Ufer stundenlang Picknick gemacht. Und haben am Ende festgestellt, daß 82 Streckenkilometer in vier Tagen gerade ausreichen, um sich nicht unbootmäßig zu hetzen.

Hinweis von KUHNLE-TOURS: Der Artikel ist außerdem schön bebildert und im Anschluß finden Sie viele Tipps und Details zu dem Törn. Weitere Informationen über das Revier hier. Kartenmaterial im Törn-Shop.

 

 

 

 

        
 

vetus vor Bootshäusern auf der Mecklenburgischen Seenplatte

Warum nicht einmal mit mehreren Booten unterwegs sein?